Leichte Viertausender im Wallis (31.07. – 07.08.21)

Gemeinschaftstour der Hochtourengruppe

31.08.2021

„Das Saastal im Wallis bietet die Möglichkeit von Saas Fee bzw. von Saas Grund aus einige „leichtere“ Viertausender zu erreichen. Aber auch die oft als „Einstiegs-Viertausender“ beschriebenen Gipfel von Allalinhorn, Strahlhorn, Weissmies und Lagginhorn bedürfen der Erfahrung und ausreichender Akklimatisierung – zumal wenn man nicht in jedem Fall die „Normalroute(n)“ wählt…“

So lautete der Ausschreibungstext unseres Hochtourengruppenleiters Wolfhard für die bevorstehende Fahrt ins Wallis – ich als Hochtourenanfängerin habe einfach nur auf das Wort „leicht“ geachtet und gedacht, mit Unterstützung der restlichen Truppe (Peter, Arnim, Andreas und Christian) klappt das schon.

Auch wenn ich mich schon seit meinem alpinen Basiskurs vor ein paar Jahren der Hochtourengruppe angeschlossen hatte, bot die gemeinsame Brenta-Tour vor zwei Jahren das höchste an Bergen, was ich bisher erklommen hatte.

 

Der erste Dreitausender stand für mich also noch aus und sollte auch direkt an unserem ersten Touren- und Akklimatisierungstag erreicht werden. An unserem Ankunftstag waren wir von Saas Fee aus mit der Felskinn-Bahn bis auf knapp 3000m Höhe gefahren, um dann erst herunter- und wieder hochsteigend zur Britannia-Hütte zu queren.

 

Sonntag machten wir uns nach einer vergleichsweise langen Nachtruhe mit spätem Frühstück gegen 8.30 Uhr gemütlich auf in Richtung Mittaghorn (3.142 m). Das Wetter hätte besser sein können: es war neblig und etwas feucht, aber wir hatten ja auch nur eine kleine, unschwierige Tour geplant. Gut 3h und ein paar Steinböcke später erreichten wir unproblematisch den Gipfel des Mittaghorns.

Plötzlich sah ich nur noch wie Peter nach links wegkippte/-rutschte und fiel…  Um es kurz zu machen: er hatte definitiv einen Schutzengel dabei, so dass er rechtzeitig vor der Steilwand liegenblieb und von den Jungs wieder auf sicheres Terrain gebracht wurde, um ihn zu verarzten. Erste-Hilfe-Sets waren ausreichend vorhanden (wichtig!) - damit konnte unser Doc Christian einen Druckverband anlegen und die Blutung der Kopfwunde stillen. In Absprache mit der Bergrettung begannen wir nach kurzer Erholungszeit vorsichtig den Abstieg, da ein Heliflug der Bergrettung wegen der Sichtverhältnisse nicht möglich war. Leider kam uns die Bergwacht auch später nicht wie angekündigt mit einer Fußtruppe/einem Fahrzeug entgegen – also mussten wir bis nach Saas Fee ins Tal absteigen, wo wir Peter dem Ambulanzwagen übergaben. Für uns hieß es die letzte Bahn hoch zur Britannia-Hütte zu erreichen, wo wir nach gut 8,5h immer noch schockiert eintrafen. Zu der Kopfwunde wurde im Hospital noch ein angebrochener Wirbel diagnostiziert, aber schon am nächsten Tag durfte Peter vom Krankenhaus in ein Hotel in Saas Fee umziehen.

Für mich hat sich bei diesem Unglück gezeigt, was für eine starke, besonnene Gruppe wir sind, weil jeder ruhig und professionell reagiert hat (auch wenn wahrscheinlich nicht nur ich innerlich gezittert habe).

Als erste Gletschertour haben wir uns für den nächsten Tag statt des Strahlhorns auf das Allalinhorn geeinigt, da diese nicht so lang sein sollte. Der Aufstieg ging über den Hohlaubgrat und der Abstieg über den Normalweg bis zur Bahnstation Mittelallalin.

Tja, was soll ich sagen – wir waren trotzdem fast 12h unterwegs bis wir wieder an der Britannia-Hütte angelangt waren! Der Aufstieg über Gletscher und Grad verlief gut bei sonnigem Wetter, aber schon von weitem konnte man sehen, dass sich vor der Steilstufe mit Felskletterei im II. Grad Seilschaften stauten. Also machten wir noch an einer Stelle ein Päuschen, wo es ausreichend breit war und ließen eine fit aussehende Dreier-Seilschaft vorbei – ein Fehler wie sich noch herausstellen sollte, denn diese war im Seil-Handling alles andere als geübt und sie brauchten eine gefühlte Ewigkeit. Bis wir dann selbst zuerst an einem Fixseil/-kette mit Selbstsicherung und dann von Wolfhard gesichert die ca. 30 m hohe Felsstufe im Gipfelaufbau mit Steigeisen in die Höhe klettern konnten, vergingen bestimmt noch einmal gut 1,5h. Nicht alle vor uns wussten so sicher, was mit dem Seil zu tun war wie Wolfhard. Ein Bergführer mit zwei Gästen kletterte mitten durch andere Seilschaften durch. Rechts von uns pflügten sich zwei durch den Firn um eine andere Route zu klettern. Mir war doch ein bisschen mulmig zumute bis wir endlich an der Reihe waren…

Als diese Stelle passiert war, zogen leider Wolken auf und wir erreichten den Gipfel im Nebel. Trotzdem ein irres Gefühl! Nicht zu vergessen, welche Aussichten sich beim Aufstieg über den Gletschergrad in der Sonne boten! Man befindet sich wirklich oberhalb der „normalen“ Welt – einfach klasse!

Der Abstieg war, wenn auch bei wenig Sicht, problemlos. Ein paar Mal hüpften wir über Gletscherspalten, die aber gut sichtbar waren. Kurz waren wir uns noch uneinig, wie wir zum Mittelallalin hochkommen sollten (über die Piste, hintenrum, …), aber irgendwann saßen wir wieder in der Bahn und hatten nur noch die „Querung“ von Felskinn-Bahn zur Britannia-Hütte vor uns.

Bei den letzten 100hm musste mir Wolfhard gut zureden, damit meine Erholungspausen nicht zu groß wurden… Aber schließlich erreichten wir wieder unser Basis-Lager und ich war glücklich, meinen ersten Viertausender und gleichzeitig meine erste Gletschertour geschafft zu haben – für den nächsten Tag, Dienstag, waren wir uns einig, dass wir das Strahlhorn liegen lassen und wieder neue Kräfte sammeln…

Am Mittwoch hieß es Abschied nehmen von der Britannia-Hütte, um von Saas Grund aus gemeinsam mit Peter hoch zum Kreuzboden zu fahren und weiter zur Weissmies-Hütte aufzusteigen. Peter wollte einfach das Hütten-Flair genießen und seinem Körper Ruhe und Schlaf gönnen.

Am Donnerstag klingelte der Wecker wieder um 3.45 Uhr. Frühstück um 4 Uhr – Kalorien müssen rein, egal ob man Hunger hat oder nicht. Toilettengang, Griff zum gepackten Rucksack, los geht´s! Das Lagginhorn stand auf dem Programm – mittlerweile eine reine Felstour, weil der Zustieg über den stark abgeschmolzenen Gletscher wegen drohenden Steinschlags kaum noch möglich ist.

In der Nacht hatte es gefroren und leicht geschneit. Der Fels war angezuckert und rutschig. Nach 600hm entschieden wir die Tour abzubrechen und umzukehren. Wir hätten noch gut 700hm (dann mit Steigeisen) bis zum Gipfel hochzuklettern gehabt und irgendwie auch wieder runter kommen müssen…

Nach 4,5h waren wir um kurz nach 9 wieder an der Hütte, stärkten uns mit Heißgetränken und entschlossen uns, das trockene, sonnige Jegihorn zu erklimmen. Ein Schweizer Bergführer hatte uns den Normalweg als „Spaziergang“ empfohlen. Daraufhin entschied sich auch Arnims Frau Elke, die mit uns in der Hütte übernachtet hatte, mitzugehen. Ich habe eine etwas andere Vorstellung von Spazierwegen, aber wir waren trotzdem alle nach leichter Kletterei in knapp 2h am Gipfel in 3200m Höhe. Dieser belohnte uns mit einem tollen Blick auf alle umliegenden Giganten wie Täschhorn, Dom und Lenzspitze!

Beim Abstieg entschloss ich mich, dass ich die letzte Tour am nächsten Tag auf den Weissmies schweren Herzens auslassen werde. Ich fühlte mich dafür nicht mehr fit genug.

Für Christian, Andreas, Arnim und Wolfhard war die Nacht wieder um 3.45 Uhr zu Ende, während Peter und ich uns nach einem gemütlichen Frühstück auf den Weg nach Hohsaas machten, um die Jungs nach ihrer Tour zu empfangen.

Bei guten Bedingungen war sie als Vier-Seilschaft zügig vorangekommen und hatten eine passable Route durch die spaltenreiche Nordflanke des Weissmies gefunden, denn schon um 13.30 Uhr erblickten wir sie wieder am Fuße des Gletschers. Alle waren begeistert von der Tour auf den Weissmies – Sonnenschein, guter Firn -  nur der Wind am und um den Gipfel blies wohl stark und eisig, so dass alle schnell wieder runter wollten.

Wir gönnten uns ein letztes Radler auf der Weissmies-Hütte und machten uns an den Abstieg und die Abfahrt nach Saas Grund.

Christian Honert, Kerstin Meyer, Wolfhard Schwarz, Andreas Kress, Peter Kaufmann, Arnim Robota (von links nach rechts)

 

Von dort ging es mit dem Auto zu unserer letzten Übernachtung nach Stalden, deren Highlight eine erste Dusche nach einer Woche war! Abends füllten wir unsere Speicher mit allerlei italienischen Leckereien auf bevor wir Samstag gewohnt früh nach Hause starteten.

Mein Fazit: Ich bin definitiv infiziert vom Hochtouren-Gletscher-Virus, der Weissmies wartet noch auf mich, aber ich brauche dringend wärmere Socken gegen kalte Füße!

                                                                                                                                                                             Kerstin Meyer