Gemeinschaftstour der Hochtourengruppe 2019

Cima Tosa (Foto: W. Schwarz)

„Zwischen Almwegen und Hochgebirgshütten“

– Die „Experten-Runde“ durch die Brenta –

Die Brenta gilt als eine Wiege der „Vie Ferrate“ – die ersten mit Eisen gesicherten Wege entstanden dort bereits Ende des 19. Jh. in der Absicht, den Bergtourismus zu fördern und den Zugang zum hochalpinen Felsreich zu erleichtern. Die sog. „Bocchette-Wege“ nutzen die geographischen Besonderheiten der teilweise sehr schmalen und ausgesetzten horizontalen Felsbänder im Dolomitgestein von Scharte zu Scharte, entlang kleiner Gletscher, zerklüfteter Grate, imponierender Dreitausender-Gipfel und steil abfallender Felswände – ein einziges Felsendorado! Die sog. „Experten-Runde“ ist eine hochalpine, teilweise anspruchsvolle Tour, die Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, gute Kondition und auch Klettersteigerfahrung erfordert. Sie führt um bzw. durch den westlichen Dolomitenstock der Brenta; in einer durchschnittlichen Höhe von 2.000 Metern folgt man im südlichen und im zentralen Teil bekannten Höhenwegen und Klettersteigen von Hütte zu Hütte, im weniger bekannten östlichen Teil nächtigt man auf Almen.

Cima Brenta (Foto: W. Schwarz)

Die diesjährige Gemeinschaftstour der Hochtourengruppe vom 08.08. – 17.08.19 fand in kleiner, aber feiner Besetzung statt! Wolfhard, der die Tour ausgearbeitet hatte und Peter, auch ein alter (Berg-)Hase, haben mich Neuling netterweise mitgenommen und bestens unterhalten und betreut!

Nach der Anfahrt am Donnerstag ging es Freitag vom Start- (und auch Endpunkt), dem Rifugio Vallesinella gemütlich auf die Brentei-Hütte hinauf. Da wir die gut 600 Höhenmeter entspannt bewältigt hatten, war am Nachmittag noch Zeit für den ersten Klettersteig zur Alimonta-Hütte mit wirklich großartigen Ausblicken auf die Berge des westlichsten Dolomitenstocks. Von der sehr vollen und wuseligen Brentei-Hütte ging es am nächsten Tag über die Rifugio XII Apostoli zum Rifugio Agostini. Auf unserem Weg dorthin hatten wir ein ordentliches und zum Schluss recht steiles Schneefeld zu überwinden. Dafür hatten wir extra Steigeisen mitgenommen – und das war auch gut so! Für mich war es das erste Mal, dass ich mit Steigeisen gelaufen bin, aber – learning by doing – funktionierte auch hier.

Cima Franciglio (Foto: W. Schwarz)

Danach hieß es wieder klettern. Mit vielen unterschiedlichen Eindrücken kamen wir an der Hütte an. Die Brenta ist eben sehr abwechslungsreich und dazu gehören auch mal 50m-Leitern, die man senkrecht hinauf- oder hinunterklettert.

An unserem 3. Tourentag war eine lange Etappe vorgesehen. Wolfhard und ich wollten über die Ferrata Bocchette Centrali und Alti laufen, während Peter lieber etwas weiter unten entlang gehen wollte. An einem Punkt, wo sich unsere Wege kreuzten, hatten wir uns verabredet, um gemeinsam weiterzuwandern. Der Klettersteig entpuppte sich als recht anspruchsvoll mit viel Gegenverkehr und verschärften Wetterbedingungen. Es war kalt und sehr windig! Trödeln am Grat war nicht angesagt! Nach gut 6 Stunden trafen wir an der vereinbarten Stelle auf Peter, der schon 3 Stunden tapfer auf uns wartete! Wir haben uns dann entschieden, eine Stunde zum Rifugio Tuckett abzusteigen und von da aus schnurstracks zu unserem Nachtlager, dem Rifugio Stoppani am Groste-Pass weiterzugehen. Dort angekommen erklärte uns der Hüttenwirt, dass wir die Reservierung nicht bei ihm, sondern im 300 km entfernten Rifugio Stoppani vorgenommen hätten! Aber er hatte zum Glück noch Platz für uns! Sogar eine kostenfreie Dusche und einen Fön gab es!

Auf der Bocchette Alti (Foto: W. Schwarz)
Brenta Basso (Foto: W. Schwarz)
Brenta Basso (Foto: W. Schwarz)
Torre di Tosa (Foto: W. Schwarz)
Campanile Basso (Foto: W. Schwarz)
Rifugio Pedrotti (Foto: W. Schwarz)

Am Dienstag ging es in den nördlichen und weniger bevölkerten Teil der Brenta. Die Malga Tuena war unser Ziel, das wir auch ohne Zwischenfälle und mit wenig Anstrengung erreichten. Auf der Alm mit ihren Ziegen, der Käserei und anderen hausgemachten Produkten fühlte man sich wie bei Heidi und Peter! Die Brenta zeigte sich hier mit nicht nur rauhen Felsen, sondern viel Graslandschaft und unzähligen Blumen von ihrer weichen Seite.

Cima Cesta (Foto: W. Schwarz)
Sasso Rosso (Foto: W. Schwarz)

Am Mittwoch erreichten wir mit einigen Auf und Abs und einem Gipfelabstecher das Rifugio Peller, die nördlichste Hütte der Brenta. Donnerstag stiegen wir als erstes auf den Monte Peller, um von da aus wieder zur Malga Tuena zu gehen. Da Maria Himmelfahrt war, gab es dort nicht nur viele Tagesgäste, sondern auch eine große Gruppe Pfadfinder, mit denen man sich die einzige vorhandene Toilette teilen musste.

Valle di Maria Flavona (Foto: W. Schwarz)
Lago di Tovel (Foto: W. Schwarz)

Wolfhard und ich beschlossen, nicht nur um dem Sanitärstau zu entgehen, am nächsten Morgen früh aufzubrechen, da wir einen anspruchsvollen Passaufstieg durch ein steiles Schotterfeld und einige Kletterstellen vor uns hatten.

Val Gelada Tuenno (Foto: W. Schwarz)
Pietra Grande (Foto: W. Schwarz)

Peter wollten wir eigentlich erst am Nachmittag in unserem letzten Nachtlager treffen, aber auf einmal stand er nach unserer Pause am Rifugio Graffer vor uns und wir konnten gemeinsam den zweistündigen Abstieg zum Rifugio Vallesinella angehen. Unseren letzten Abend haben wir geschafft (bis auf Wolfhard), aber glücklich bei gutem Essen und leckeren Getränken ausklingen lassen.

Zum Abschluss könnte ich schreiben, dass wir in 8 Tagen 8.000 Höhenmeter und gut 100 km zurückgelegt haben, aber viel eindrucksvoller waren die wechselnde Landschaft und die vielen Bilder, die ich im Kopf und als Foto mitgenommen habe.

Es war anstrengend, aber ich habe jede Sekunde genossen!

Kerstin Meyer